Die deutsche Sprache ist das Ticket zur Teilhabe

Ich bin stolz, erster türkischstämmiger Bundeswehrsoldat in den neuen Bundesländern zu sein“, das sagte mir mal ein junger Feldwebel – mit Funkeln in den Augen. Ob sich der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan darüber gefreut hätte? Wohl kaum, denn seine ursprüngliche Forderung nach türkischsprachigen Gymnasien in Deutschland hätte das Gegenteil bewirkt. Sein Vorschlag zielte dabei mehr auf langfristige innenpolitische Stimmungsmache als auf Integration der in Deutschland lebenden Deutschtürken und Türken. Mehr als 1,5 Millionen türkische Wahlbürger in Deutschland sind für ihn eine wertvolle Wählergruppe.

Ob er damit Erfolg hat, ist zu bezweifeln, denn die Realität sieht vollkommen anders aus: Die meisten Türken und Deutschtürken fühlen sich in Deutschland wohl – das belegte kürzlich eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Das Argument des Ministerpräsidenten für türkischsprachige Gymnasien: Um besseres Deutsch zu lernen, müssten die Kinder zunächst die Muttersprache beherrschen. Ein schlechter Vorschlag, rein türkischsprachige Gymnasien wären Gift für die Integration, schließlich findet das Leben der Schüler in Deutschland statt.

Die Gefahr liegt darin, dass zahlreiche junge Menschen, die weder in der Türkei noch in der Bundesrepublik richtig zu Hause sind, auf den Arbeitsmarkt kommen würden. Daher ist für alle Immigranten in Deutschland unbedingt notwendig: Deutsch als Basissprache, nicht nur als Grundlage für eine gute Ausbildung, sondern als Kitt der modernen deutschen Gesellschaft, als Ticket zur gesellschaftlichen Teilhabe.

Keineswegs bin ich für Assimilation. Im Gegenteil: Ich setze mich für Integration ein. Das heißt: Heimische Wurzeln pflegen, aber dennoch Teil der Gesellschaft sein. Das heißt, junge Türkischstämmige sollten zwar türkisch lernen, aber nicht auf einem fremdsprachlichen Gymnasium, sondern nebenher. In diesem Punkt stimme ich voll mit Angela Merkel überein: Bilingualität ist das Ziel. Ich als Deutschgrieche spreche aus Erfahrung. Als Schüler einer deutschen Schule in Deutschland, hatte ich Griechischunterricht, davon profitiere ich noch heute. Meine Töchter führen das fort. Was wir folglich brauchen, sind Strategien, wie junge Türken in Deutschland ihre Muttersprache pflegen können, am besten entwickelt in deutsch-türkischer Kooperation. Türkische Literatur, Geografie und Kultur sind wertvolle Inhalte, um an eigene Wurzeln anzuknüpfen, wir setzen uns deshalb für ein Wahlfach Türkisch sowie Ausbau der Bildungsangebote ein.

Denn wir brauchen die Deutschtürken und Türken in Deutschland. Nicht nur als wertvolle Mitglieder unserer Volkswirtschaft, sondern auch als Brückenbauer zwischen EU und islamischer Welt. Das scheint jetzt auch Erdogan so zu sehen: Beim Besuch Merkels in der Türkei am 30. März 2010 hat er dann überraschend auf die Linie Merkels umgeschwenkt. Die beiden Staatschefs einigten sich darauf, zweisprachige Schulen und Universitäten zu gründen. Und am gleichen Abend noch stimmte das türkische Parlament für eine deutsch-türkische Universität in Istanbul ab.

Das ist jetzt genau der richtige Weg. Wir brauchen mehr Europaschulen- und Universitäten – als bildungspolitische Antwort auf eine zusammenwachsende Welt. Denn nur so können Schüler und Studenten hervorragende Sprachkenntnisse erwerben, Deutsch und Türkisch als Basis für erfolgreiche Integration. Denn das wollen die Türken in Deutschland. Und das ist die Realität. Dort sollte auch Erdogan ankommen. Er würde dort auch meinen Bekannten, den deutsch-türkischen Feldwebel treffen.
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Jorgo Chatzimarkakis ist Europaabgeordneter der FDP und Präsident der Deutsch-Hellenischen Handelskammer.

Quelle: Berliner Zeitung/Politik/12.04.2010

Oliver Luksic Landesvorsitzender

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