Abitur und Doktortitel für Alle?

Landtagswahl 2012Die neue niedersächsische Landesregierung aus SPD und Grünen hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Sitzenbleiben in der Schule abzuschaffen. Elternverbände liegen auf der gleichen Linie. Die Generalsekretärin der FDP-Saar kritisiert diese Pläne: „Dem Sitzenbleiben wird unterstellt, es sei mit einer Demütigung und einer Stigmatisierung des „Opfers“ verbunden, insbesondere wenn es nach wiederholtem Sitzenbleiben mit einem Wechsel der Schulform verbunden ist. Dies scheint inzwischen der Forderung des Zeitgeistes zu entsprechen, dem sich auch die CDU und die CSU stellen müssen. Es fällt auf, dass die Bundesländer Bayern, Sachsen und noch (noch) Baden-Württemberg, die im nationalen und internationalen Bildungsvergleich am besten abschneiden, das Wiederholen einer Klasse nicht abgeschafft haben. In einer Grundsatzentscheidung zwischen „Kuschelpädagogik“ und individueller Förderung nach kollektivem Aufstieg und gesellschaftlicher Gleichheit einerseits und der Orientierung und Leistungsmessung an zuvor einvernehmlich festgestellten Bildungsstandards vertritt die FDP den zweiten Weg. Fakt ist, dass die Zahl der Sitzenbleiber dramatisch zurückgegangen ist (zur Zeit 2% bundesweit pro Klasse), weil Fördermaßnahmen und die Möglichkeit von Nachprüfungen greifen und in Gemeinschaftsschulen ein eleganterer Umgang mit fachbezogen leistungsschwachen Schülern ohne traumatische Folgen möglich ist.

Chancengleichheit bedeutet aber nicht Gleichmacherei bei Abschlüssen und den zugrunde liegenden unterschiedlichen Leistungen. Kinder und Jugendliche muss auch vermittelt werden, mit Leistungsdefiziten umzugehen. Wer das erst im Berufsalltag oder an der Hochschule erfährt, dem haben Politik und Schule einen schlechten Dienst erwiesen.“

 

Oliver Luksic Landesvorsitzender

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